Donnerstag, März 27, 2008

44.TPR: Mehr Ausdruck und Persönlichkeit durch die Stimme

v.l.n.r.: Harald Sorger (Putz&Stingl), Katrin Haugeneder (www.stimmentfaltung.at), Martina Ressmann

Die Stimme ist nicht nur wichtigstes Arbeitswerkzeug für Radiomoderatoren, sondern gewinnt auch in anderen Berufen zunehmend an Bedeutung. Vor allem Menschen mit hohen Sprechanforderungen - etwa Lehrer, Führungskräfte oder Sänger - müssen sich auf ihre Stimme verlassen können. Wie diese gepflegt und trainiert werden kann, damit sie charismatisch und ansprechend ist, verriet Katrin Haugeneder gestern, Mittwochabend, beim 44. Treffpunkt Radio in Wien.

"Stimme macht Stimmung, wenn der Mensch dahinter zu spüren ist und dadurch eine Beziehung, ein Bild, eine Emotion aufgebaut wird", betonte die geprüfte Stimmtrainerin und Erwachsenenbildnerin. Insbesondere für Radiomitarbeiter oder Telefonierende ist es wichtig, der Stimme einen Charakter zu verleihen. "Sie sollen als Person wahrgenommen werden, obwohl sie nicht sichtbar sind". Erforderlich sind dazu Lebendigkeit und Authentizität, die das Charisma einer Person ausmachen, so die Expertin. "Der Sprecher muss sich selbst treu sein. Er soll sich trauen zu zeigen, wie er ist. Wichtig ist auch, das Gesagte zu leben und zu dem zu stehen, was er glaubt, denn das spürt das Gegenüber", erklärte Haugeneder. Damit dies gelingen kann, braucht es auch eine ökonomische Sprechtechnik. Moderatoren gelten als Sprechvorbilder, schließlich "lernen wir alle das Sprechen über das Hören", doch viele sind es gerade deshalb nicht, "weil sie ihre natürlichen Ressourcen nicht richtig nutzen", weiß die Trainerin.

Die Kunst der starken Stimme liegt darin, atemrhythmisch angepasst zu sprechen. Dazu gehören die richtige Haltung, eine mittlere Körperspannung über das Zwerchfell, das Sprechen in der natürlichen Stimmlage sowie Deutlichkeit beim Artikulieren. "Wenn ich meinen Rhythmus gefunden habe, bin ich ganz bei der Sache. Dann gelingt es mir auch persönlich zu sprechen", so die Lehrtrainerin für "Atemrhythmisch Angepasste Phonation (AAP)", welche vom Wiener Schauspielprofessor Horst Coblenzer und dem österreichischen Lungenfacharzt Franz Muhar wissenschaftlich entwickelt wurde. Die Pädagogische Hochschule der Diözese Linz bietet dazu erstmals ab Februar 2008 zwei neue Uni-Lehrgänge zum Thema "Stimme - Ausdruck - Präsentation" an, die auf den Grundlagen der AAP basieren.

"In Österreich gibt es bisher keine universitäre Ausbildung für Sprech- und Rhetoriktrainer", so Haugeneder, die gemeinsam mit dem Gesangspädagogen und Sprecherzieher Gerhard Doss die innovativen Lehrgänge initiierte und leitet.

Angeboten wird ein zweisemestriger Lehrgang zum/zur zertifizierten AAP-Anwender/in und darauf aufbauend ein sechssemestriger Hochschullehrgang zum/zur akademisch geprüften AAP-Trainer/in. "Die Ausbildung zielt auf Menschen mit Sprechberufen, die auf ihre Stimme angewiesen sind und für deren Gesunderhaltung sorgen möchten, aber auch auf professionelle Sprecher, die ihre Stimme ökonomisch einsetzen und ihre Sprechtechnik verfeinern möchten, ab. Zusätzlich sollen auch Trainer in der Wirtschaft angesprochen werden", so Haugeneder.

Zur Vortragenden: Katrin Haugeneder ist geprüfte Stimmtrainerin mit Lehrbefähigung für AAP(R) - Atemrhythmisch Angepasste Phonation und Inhaberin von www.stimmentfaltung.at. Die Oberösterreicherin studierte Lehramt für Spanisch und Deutsch an der Universität Wien und war als Gymnasiumlehrerin tätig.